So, denn mal los

Hier wird also in Zunkunft mein Blog über Australien und natürlich im Besonderen über Melbourne entstehen. Ich hoffe auf zahlreiche Kommentare und ich werde mir Mühe geben euch einigermaßen über mein Leben down under auf dem Laufenden zu halten.
Also dann…

Es geht los!

So, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Koffer sind fast vollständig gepackt, die Abschiedsparty ist auch einigermaßen vorbereitet und ich bin noch gar nicht nervös. Ich schnall einfach noch nicht, dass es schon Montag losgeht.
Aber es kam ja wie es kommen musste, auf den letzen Drücker melden sich dann die Probleme. Das blöde BaföG Amt will wieder völlig hirnrissige Unterlagen nachgeschickt haben, die eigentlich schon da waren, aber jetzt nochmal mit anderem Stempel oder Wortlaut dazu müssen.
Außerdem stellte die Dame am Bankschalter beim tauschen Euro gegen Australische Doller – siehe Foto – fest, dass ich gar keine richtige ec-Karte geschickt bekommen hab, sondern nur eine Service Karte. In Deutschland kann man damit alles machen, aber leider funktioniert die nicht im Ausland. Wozu gibt es überhaut diese Karte? Und was zum Teufel hat sich der Mitarbeiter dabei gedacht, als ich ihm erzählt hab, dass ich das Konto nur brauche, damit ich in Australien gebührenfrei Geld abheben kann? Naja Eva (eine Mitreisende) hilft mir netter Weise mit ihrem Konto aus der Misere und die neue Karte muss Mama mir dann nachschicken.

Der erste Tag

Ihr werdet es kaum glauben, aber ich bin tatsächlich am Mittwoch angekommen. Heute morgen um etwa drei Uhr Ortszeit haben wir unser Zimmer bezogen und sind hellwach in unsere Betten gefallen. Aber schließlich wollen wir den Jet Lag im Zaum behalten und haben uns deshalb zum Schlafen gezwungen.
Selbst ich kann kaum glauben, dass wir am anderen Ende der Welt sind. Im Moment fühlt es sich noch wie der gewöhnliche Mittelmeerurlaub an, nur das alles anders aussieht. Und riecht. Alles hat das Aroma und die Temperatur einer Saunalandschaft, das liegt natürlich an dem strahlenden Sonnenschein und den vielen Eukalyptus-Bäumen. Bei 40 Grad lässt es sich auch gut schwitzen, zwischen ein Uhr und vier kann man es kaum aushalten. Trotzdem spüre ich eine Erkältung im Anmarsch. In den Flugzeugen war es einfach immer zu kalt oder zu warm, jetzt kratzt mein Hals und die Nase kribbelt. Kann natürlich auch sein, dass mein Heuschnupfen zuschlägt. Ich habe mir vorgenommen, dass zu ignorieren und lieber das tolle Wetter und Perth zu genießen.Die Stadt ist eine Mischung aus Ami-Großstadt und botanischer Garten. Auf einer Fläche, dreimal so groß wie Berlin, leben hier ungefähr 1,5 Millionen Menschen. Man könnte also sagen, es ist recht weitläufig. Praktischer Weise fahren aber die Stadtbusse im sieben Minuten Takt und auch noch um sonst! Da sollten sich die deutschen Busunternehmen doch mal ein Beispiel dran nehmen! Diesen Service haben wir natürlich genutzt und uns in die Stadt chauffieren lassen. Nach einer kurzen Besichtigung des Hafens sind wir dann weiter in Richtung Kings Park gefahren. Etwas erhöht gelegen hat man da einen super Ausblick auf den Swan River und Perth. Aber kein Lohn ohne Mühen: 221 Stufen und noch ein gutes Stück bergauf waren dafür nötig. Dabei mussten wir feststellen: Wir sind deutsche Weicheier. Während wir noch keuchen die letzten Stufen hoch krochen, joggten die Aussies in der Mittagshitze neben uns die Jacobs Ladder (so hieß die Treppe, wie die Leiter, die in den Himmel führen soll) hoch. Tolles Fitnessprogramm. Oben holten sie kurz Luft, dann rannten sie wieder nach unten und der Spaß begann von vorn. Wir haben es bei einem Mal gelassen. Im Park angekommen konnten wir dann die ganze Flora Australiens begutachten. Im botanischen Garten waren immer kleine Beete mit den typischen Pflanzen eines Gebietes angelegt. Viel lustiger waren aber die Vögel: Die grünen Papageien hören sich wenigstens an wie Papageien, aber die Viecher, die aussehen wie Raben mit Bart klingen wie Ziegen.
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Gegen Abend haben wir uns dann einen Supermarkt gesucht und ein bisschen Abendbrot gekauft, dann sind wir tot im Backpackers angekommen. Das ist ganz kuschelig, leider können wir aber nicht in einem Zimmer schlafen. Ich weiß gar nicht wie viele Leute hier schlafen, aber der Laden ist ausgebucht und voll mit jungen Leuten, die hier einen drauf machen. Der völlig überfüllte Kühlschrank und die gemeinsamen Duschen sind nicht der Hammer, aber dafür ist ein einfaches Frühstück inklusive.
Morgen werden wir dann einen National Park besuchen und ganz viele Koalas, Kängurus und andere komische Tierchen begutachten!

Ziegen im Streichelzoo war gestern!

So, liebe Leute, hier kommt gleich der nächste Eintrag, gestern reichte mein Internet-Guthaben vom Backpackers nicht mehr, um den Text und die Bilder auch noch hoch zuladen. Hab zu lange gechattet und E-Mails kontrolliert (Grüße an Janita ;-)).

Wir waren heute (Donnerstag) im Caversham National Park und es war wirklich wirklich toll! Für einen deutschen Zoo wäre er vermutlich ein bisschen schlicht und klein gewesen, aber schließlich sind wir ja in Australien! Mit dem Bus sind wir vom Backpackers aus nach Swan Valley gefahren, einem Stadtteil etwas außerhalb. Wir sind vor dem Tor des Parks ausgestiegen und haben uns auf den tollen Service gefreut, der uns mit einem Jeep vom Tor zu richtigen Eingang bringen sollte. Leider funktionierte das Telefon nicht, mit dem wir im Park anrufen sollten. Das hieß für uns: Zwei Kilometer durch die pralle Sonne auf schwarzem Asphalt zum Eingang latschen. Als wir um die erste Kurve bogen, wurde uns die Gefahr dieses Unterfangens bewusst – Warnschilder vor Schlangen, Kängurus, Echsen und Rindern standen am Straßenrand. Aber todesmutig wie wir sind, haben wir uns auf den Weg gemacht.

Und es hat sich gelohnt! Nachdem wir zunächst ein paar Wallabies (kleine Kängurus) durch Zäune beobachtet hatten und exotische Vögel durch ihre Käfige besichtigten, kamen wir endlich ins Freigehege. Und ich muss sagen: Kängurus sind soooo süß! Ganz vorsichtig habe sie mit ihren weichen Schnäuzchen das Futter genommen und sich zum Dank mit einer Engels-Geduld von den Touries mit ihren Kameras streicheln und Knipsen lassen. Natürlich haben wir annähernd tausend Fotos geschossen und kiloweise Futter verteilt.

Danach ging es zu Big Baby. Die neun Jahre alte und 26 Kilo schwere Wombat Dame ließ sich geduldig von uns auf den Schoß nehmen und sich den Bauch kraulen. Irgendwie weiches und trotzdem borstiges Fell hatte sie und wenn sie nicht geatmet hätte, dann hätte sie auch tot sein können. War nicht so ihre Zeit, Big Baby ist eher nachtaktiv.

Danach ging es zu den Koalas: Die unglaublich putzigen Viehcher schlafen fast den ganze Tag, weil Eukalyptus nicht all zu viel Energie liefert. Deshalb haben sie uns vermutlich nicht mal bemerkt, als wir sie gestreichelt haben.

So, puh, geschafft. Völlig fertig vom Rumgeschlender und der Sonne haben wir uns dann erstmal ne Runde aufs Ohr gehauen und dann ein seeehr leckeres und Knobi-haltiges Pesto gemacht und verspeist. Mmmmmh!

Aaarghhh!

Ein einziges Drama: Mein Laptop hat aus irgend einem mir schleierhaften Grund die WirelessCard nicht mehr erkannt und das Internet war eine Wunschvorstellung. Zum Glück hab ich kurz vor der Abfahrt noch die Treiber CD eingepackt, die hat es nämlich gerettet. Und ich musste das alles alleine machen, weil ja mein Benny nicht da ist! Wie furchtbar! Mein Mitleid an alle, die keinen Computerexperten zu Hause haben! Ich kann jetzt nachvollziehen, mit welcher Verzweiflung man manchmal vor dem Bildschirm sitzt und sich fragt: Aber warum? Außerdem ist die Verbindung nicht gerade besonders, deshalb ist das mit den Fotos auch noch ein bisschen mau. Das wird selbstverständlich noch nachgeholt!

Heute waren wir in Fremantle, etwa 20 Kilometer südlich von Perth. Es ist der Hafen der Stadt, dort werden die meisten Rohstoffe verschifft. Wir haben uns gefühlt wie in New Orleans oder Louisiana, denn alle Gebäude (naja fast alle) sind im Kolonialstil gebaut, mit Veranden ums ganze Haus und schnörkeligen Verzierungen.

Als erstes sind wir zum großen Markt gegangen und haben mir einen Hut gekauft, denn mein Scheitel ist verbrannt. Seehr unangenehm. Aber unter diesem Problem leiden wir im Moment alle. Dann ging es auf ins Gefängnis, eigentlich wollten wir das erste Gefängnis dieser Region besichtigen, haben aber das zweitälteste besichtigt. Das wurde uns aber erst später klar. Der Tour Guide Paul hätte auch gut und gerne Touren durch Disneyland führen können, so euphorisch und dramatisch schilderte er uns die Zustände des Gefängnisses. Das die ersten Verurteilten aus England hier mir bloßen Händen, einer Axt und einem Spaten das Gestein abtragen mussten, um ihr eigenes Gefängnis zu bauen und so weiter.

Ich hoffe ich werde in nächster Zeit ähnlich begeistert berichten!

Sonnenbrand

Ich bin verbrannt. Meine Arme, unterm Hals, im Gesicht und auf dem Kopf. Wir waren auf Rottnest Island und auf dieser Insel gibt es keine Bäume, also auch keinen Schatten! Die kleine Insel vor Fremantle, wo wir gestern waren, wurde von den ersten Einwanderern so genannt, weil sie noch keine Quokkas kannten. Das sind kleine Känguru-ähnliche Tiere die die Eroberer fälschlicher Weise für riesige Ratten hielten – deshalb Rottnest, Rattennest.
Mit der Fähre sind wir erstmal nach Fremantle gefahren und haben uns vom Wasser aus die teuersten Wohngegenden von Perth angeguckt. Danach sind wir in eine Art großes Speedboot umgestiegen und in einem Affenzahn Richtung Insel gedonnert. Natürlich haben wir uns den perfekten Tag ausgesucht, um lässig am Strand zu liegen – es war „kalt“ (so 25/28 Grad) und bewölkt. Super.
Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind bei schlimmsten Gegenwind über zwanzig Kilometer geradelt, nur zwei Mädels haben abgekürzt. Mal von der tollen Aussicht abgesehen hatten wir eine unglaublich spannende Begegnung mit echten australischen Tieren – ohne Zaun dazwischen! Am Straßenrand saß tatsächlich ein Quokka, der anscheinend überhaupt keine Angst mehr vor Touristen hatte. Vorsichtig sind wir auf dem Bauch an ihn heran gekrochen und haben Fotos gemacht. Wir waren so aufgeregt, dass wir es kaum erwarten konnten den anderen davon zu berichten. Als wir am Treffpunkt angekommen waren, hatten wir gleich noch eine wesentlich ungemütlichere Begegnung mit Tieren. Eine daumendicke, einen Meter lange, schwarze Schlange kroch auf dem Weg zum Strand an uns vorbei. Nachdem wir den ersten Schrecken überwunden hatten, sind wir natürlich doch noch näher rangegangen, mit gebührendem Sicherheitsabstand.
Wieder am Hafen ange-kommen mussten wir dann leider feststellen, dass unsere Quokka-Begegnung gar nicht so besonders war: Die kleinen Kängurus sind da ungefähr so außergewöhnlich wie Kaninchen an Auto-bahnrastplätzen. Aber wir fanden es spannend.
Am nächsten Tag war dann wieder strahlender Sonnenschein und wir haben tatsächlich einen Strand-Tag eingelegt. Ein Stückchen aus der Innenstadt raus haben wir im indischen Ozean geplanscht, in den hohen Wellen geschwommen und dabei unglaublich viel Wasser geschluckt. Langsam bekommen wir alle hier schon die typischen Surferhaare, von dem furchtbar gechlortem Leitungswasser, der Sonne und dem Salzwasser!
Heute waren wir dann in York, in der ältesten Inland-Stadt Australiens. Wir habe uns ein Auto gemietet und sind etwa hundert Kilometer durch den Busch gefahren, mit richtig rotem Sand, wie er auf den Postkarten aussieht! Und das wichtigste: Ich bin links gefahren! Das größte Problem daran war der Blinker: Der ist auch auf der anderen Seite, und jedes Mal, wenn ich blinken wollte, hab ich den Scheibenwischer angemacht. Die Leute müssen echt gedacht haben ich bin ein bisschen blöd.
Das Städtchen York hat noch alle alten Fassaden aus der Gründerzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein total verschlafenes Nest, aber hübsch. Wobei heute mehr der Weg das Ziel war.
Ein paar Stunden noch, dann sitze ich im Flieger nach Melbourne! Ich bin ein bischen aufgeregt, denn der relaxte Urlaubsteil ist nun erstmal vorbei!

Maheika

Ich bin am Dienstag um sechs Uhr morgens endlich in Melbourne angekommen und natuerlich ist nichts so einfach, wie ich es mir vorgestellt hab. Das Zimmer, dass ich im Internet gefunden hatte, war eine Katastrophe: Total verdreckter Teppich, sehr muffiger Geruch in der Luft schmutzige Kueche und verdrecktes Bad. Und der Mitbewohner, mit dem ich nett gechattet hab, sah in Natura leider genauso aus wie seine Bude.

Also bin ich mit meinem Koffer wieder zurueck in die Stadt gefahren, wo die anderen Maedels ein Backpacker Zimmer gemietet hatten. Da ich nichts vorbestellt hatte, war nur noch ein Bett in einem 16 Betten Schlafsaal frei. Das hab ich dann genommen, mir blieb nichts anderes uebrig.

Die Suche nach einem Zimmer ging also los: Bisher hab ich sechsWGs besichtigt. Die variierten alle zwischen: Zu weit weg, zu dreckig, zu komische Mitbewohner oder zu teuer. Ich hab also noch nichts gefunden, werd heute noch fuenf weitere Zimmer besichtigen. Hoffentlich ist was dabei! In den meisten WGs leben Asiaten oder die Zimmer werden von Asiaten vermietet. Leider kann keiner von denen auch nur ansatzweise meinen Namen aussprechen. Maheika war der Versuch, der am ehesten nach meinem Namen klang. Leider sind die Australier auch nicht wesentlich erfolgreicher mit ihren versuchen. Und ein Spitzname ist mir noch nicht eingefallen. ich will jedenfalls auf keinen Fall Mary oder so genannt werden!

Egal, Hauptsache ich finde bald ein Zimmer. Ich leb jetzt seit fast zwei Wochen aus dem Koffer, in den Zimmern gibt es in der Regel naemlich keine Schraenke, und hab die Schnauze voll. Wuerde auch gerne mal einfach eine Tuer hinter mir zu machen und dann mal zwei Stunden alleine sein. Denn im Moment stehen wir hier ja unter Dauerbeobachtung und das zerrt irgendwie an den Nerven.

Hab jetzt wenigstens in der Uni einen Internetzugang. Morgen nehm ich vielleich mal meinen USB Stick mit, und dann gibt es auch endlich ein paar Fotos zu sehen.

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen mir Melbourne in Ruhe anzugucken. Hab zwar schon viel gesehen, durch die Rumgurkerei, hab aber noch keine Sehenswuerdigkeiten besucht oder die Ruhe gehabt ein paar Fotos zu schiessen. Das werd ich aber natuerlich nachholen.

Yeeehaaa!

Ich hab endlich ein Zimmer gefunden! Es ist natuerlich nicht perfekt, aber mit Abstand das Beste, was ich in letzter Zeit gesehen hab. Die Suche ging gestern frueh los und wir kamen an einem Apartment an, vor dem bereits vier weitere Interessenten warteten. Die Gegend war super schoen – das Apartment leider super dreckig. Von den Cornflakes zwischen den Schraenken haette ich eine Woche lang fruehstuecken koennen und auf der Badewanne lag ein dickes Ausguss-Haarknaeuel. Mal ganz von dem Schimmel in den Fugen abgesehen und den jahrealten Spritzern auf dem Spiegel.
Zur naechsten Wohnung sind wir dann bestimmt 40 Minuten mit der Bahn gefahren, nur um festzustellen, dass es noch schlimmer ist. Auch diese Gegend war schoen. Im Zimmer stapelten sich jedoch noch immer die Tassen mit den Kippen drin, die ehemals weisse Badewanne war inzwischen grau/gelb, und vor lauter Altpapier konnte man die Kueche kaum betreten. Warum wohnen Menschen in solchen Apartments? Ich verstehs nicht.
Das naechste Zimmer auf meinem Besichtigungsplan war dann auch schon mein neues Zuhause. Das Zimmer ist eigentlich viel zu gross, weil kaum Moebel da sind. Es hat bestimmt ueber 25 Quadratmeter und es steht ein Einzelbett, ein Nachttisch und ein Buecheregal drin. Inklusive Nebenkosten werde ich unter meiner magischen Grenze von 300 Euro im Monat bleiben. Alles ist sauber, ich wohne mit Lilly aus Shanghai, Mazon aus Australien und noch einem Mitbewohner zusammen, der auch heute Abend einzieht. Die Wohnung ist ueber einem Obst- und Gemueseladen im Stadtteil Kew, der Supermarkt ist um die Ecke und ich brauche etwa eine halbe Stunde zur Uni. Ich duerfte Lillys Fahrrad benutzen, vielleicht bin ich mit dem sogar schneller, muss ich mal ausprobieren. Das Bad ist sehr klein, mal von Duschzeug abgesehen muss ich meinen Krempel wider mit in mein Zimmer nehmen. Aber dafuer ist es wenigstens sauber.
Heute muss ich mir erstmal ne Decke und ein Kissen kaufen. Montag werd ich mal zu Ikea fahren und mir einen billigen Kleiderschrank und einen Spiegel besorgen. Am Wochenende soll ich nicht viel rumrumoren, weil da chinesisches Neujahr ist und Lilly will feiern und Freunde einladen und so weiter. Und dann lange schlafen. Das werd ich dann auch machen.

Say Hello to Foerby

Fotos von Melbourne bei Tag sind immernoch ein bisschen rar, da hab ich einfach zu viel zu tun, aber abends hab ich schonmal ein paar Blidchen geschlossen.
Globalisierung sei Dank war ich heute bei Ikea, um es mir ein bisschen gemuetlich zu machen. dabei hab ich Freundschaft mit Foerby geschlossen. Leider kann ich hier kein OE schreiben (Englische Tastatur), deshalb kann ich seinen Namen nicht richtig rueberbringen. Foerby ist mein neuer roter Nachtschrank-Ersatz, ein Plastik-Hocker. Viel faszinierender fand ich jedoch, dass bei Ikea tatsaechlich alle Sachen genauso heissen wie bei uns, und das, obwohl schon wir vermutlich nichts davon richtig aussprechen und die Aussies (hier Ozzies genannt) mal so gar nicht mit den ganzen OEs und AEs und UEs zurecht kommen.
Mein neuer Kleiderschrank heisst Ragga oder so. Eine Kleiderstange, in die ich diese Stoff-Faecher haengen kann. Ich hab mich noch nicht an den Aufbau gemacht, aber das kann ja nicht allzu schwierig werden. Hoffe ich. Naja jedenfalls hat das Ikea Prinzip funktioniert, ich hab wieder viel zu viel Kleinscheiss gekauft. Dann stand ich also mit meinen Klamotten an der Kasse, hab laessig meine Kreditkarte gezueckt – und die hat nicht funktioniert. keine Ahnung warum, der Typ an der Kasse meinte, das Limit sei ueberschritten, das kann aber eigentlich gar nicht sein. Ich bin jedenfalls puterrot angelaufen, hab meine letzten Scheine aus dem Portemonnaie zusammengeklaubt, hab bezahlt und mich vom Acker gemacht. Muss dringend mal mein Konto checken, hab aber im moment ja nur oeffentliche PCs mit Internet zur Verfuegung, und wer weiss, was hier so fuer merkwuerdige Viren und Programme drauf sind. Jedenfalls bin ich dementsprechend unentspannt, weil die Deutsche Bank auch noch immer nicht die richtige EC Karte geschickt hab, mit der ich hier Geld abheben kann. Ich muss also immer meine Maedels hier bitten fuer mich Geld abzuheben und es denen dann zurueckueberweisen, was Internet-Technisch wieder das Sicherheitsproblem aufwirft. Vielleicht darf ich heute abend ja mal den Internetzugang von Lilly benutzen.
Frohes neues Jahr uebrigens! Am Wochenede war chinesisches Silvester und in Melbourne hat der Baer gesteppt. Das ganze Wochenende wurde gefeiert. Am Freitag war ich mit Lilly und ihren Freunden Essen. 15 Chinesen, Malaysier, Vietnamesen, ein Grieche und ich. Ich moechte mal behaupten, ich bin in der Gruppe aufgefallen. Das war sehr nett, danach wurde es sehr merkwuerdig. Auf dem Rueckweg brach Lilly ploetzlich in Traenen aus, ihr ganzes Leben sei scheisse, sie findet niemals einen Mann, den letzten habe sie ueber ein Jahr gedatet und am Ende war sie schwanger und musste abtreiben und er weiss es nicht mal. Und ausserdem ist sie das zweite Mal durch die Fuehrerscheinpruefung gefallen. So ungefaehr in dieser Reihenfolge. Neben mir stand also eine voellig aufgeloeste Chinesin (28), die ich praktisch nicht kenne und erzaehlt mir von ihrer Abtreibung. Was zum Henker macht man in dieser Situation? Ich war ein wenig verzweifelt, hab ihr mit vorsichtigem Sicherheitsabstand ueber den Ruecken gestreichelt und was bloedes gelabert, von wegen ist doch alles halb so schlimm, sie sei ja noch jung. Komischer Abend.
Am naechsten Tag war ich dann mit den Maedels in Chinatown, hab lecker thailaendisch gegessen und den tanzenden Drachen zugesehen und den Boellern gelauscht. Mit zugehaltenen Ohren waren die immernoch so laut wie unsere grossen Boeller. Und die haben nicht gegeizt: Vor jedem Retaurant ging eine ganze Batterie mit hunderten von Knallern los. Das obere Bild zeigt den Eingang zu Chinatown.

Ich bin in Wirklichkeit uebrigens nicht mehr so blass wie auf dem Bild oben. Die Lampions hingen an der Promenade zum Yarra River, da waren auch an die hundert Fressstaende mit asiatischen Leckereien aufgebaut. Die Feuerfontainen die ihr rechts seht stehen da nicht nur zum Neujahrsfest sondern gehen regelmäßig jeden Abend hoch. Unglaublich heiß, als würden die normalen Temperaturen nicht schon reichen.
Am Sonntag Abend waren wir dann am Strand, natuerlich hat es an diesem Tag geregnet. War aber mal ganz angenehm, die Hitze draussen war kaum noch zu ertragen. Ehrlich gesagt, hab ich weder Wasser noch Sand gesehen, wir sind in den zahlreichen Kneipen und Bars an der Promenade dahinter haengen geblieben… Aber wir sind ja noch ein bisschen hier.

Klassenfahrt

Am Freitag um neun fuhr ich auf Klassenfahrt. Der Kurs „Introduction to Australian Society“, also praktisch die Einführung in die Australische Gesellschaft, war das ganze Wochenende im Bundesstaat Victoria unterwegs, um die Australier kennen und verstehen zu lernen. Los gings mit dem Bus in Richtung Weinanbaugebiet. Unterwegs sollten wir einen Blick auf die Landschaft werfen, und uns angucken was die Gegend so zu bieten hat. Wir hatten Melbourne grade hinter uns gelassen, da hab ich auch schon geschlafen. Viele beneiden mich darum, in jeder erdenklichen Situation schlafen zu können, besonders in Bussen und Flugzeugen (Ich sag nur Kursfahrt nach Avignon), dass kann aber auch extrem unpraktisch sein…
Als ich wieder aufgewacht bin, fuhren wir bereits durch Weinberge. Wobei das eigentlich hier mehr Weinfelder sind, denn Australien ist der flachste Kontinent der Welt, mal von wenigen Regionen abgesehen ist es hier so platt wie im Wattenmeer. Aber die Sonne kommt hier den ganzen Tag von allen Seiten, deshalb ist die Hanglage für den Wein hier auch nicht wirklich entscheidend. Wir haben die Seppelt Winery besucht, die den in Australien gut bekannten Seppelt Sekt herstellt und außerdem Sparkling Shiraz. Also Shiraz-Rotwein mit Kohlensäure wie Sekt. War im erstem Moment sehr merkwürdig, aber eigentlich ganz gut. Zum Weihnachtsbraten bei 40 Grad im Schatten kann ich mir den gut vorstellen. Wir sind durch die Keller gelaufen, die von arbeitslosen Minen-Arbeitern gegraben wurden, und haben die Kühle genossen. Und uns die angeschimmelten Spinnenwegen angesehen. Gruselig und bestimmt nicht besonders gesund, die Luft. Unser Tourfuehrer hatte die typisch australieschen Narben auf Kopf und Ohren. Nicht der Schimmel, sondern die Sonne hat hier gute Arbeit geleistet und Krebs verursacht, der dann weggeschnitten wird. Besonders bei den alten Australiern siehrt man das oft.
Danach fuhren wir ins Brambuk Centre, einer Art Aufklärungs-Stätte über die Aboriginals der Region, und was die ersten Siedler von ihnen übrig gelassen haben. Dort haben wir dann wie die Ureinwohner die australischen Nationaltiere verspeist.
Känguru lässt sich am ehesten mit Rindfleisch vergleichen, Krokodil schmeckt wie Huhn und Emu vermutlich wie Strauß oder auch Lamm, allerdings war das Fleisch in ein ekelige Bratwurst gepresst, die alles andere als lecker war. Würstchen sollten eben nur die Deutschen machen. Die Fotos sind von links nach rechts in der beschriebenen Reihenfolge.
Danach ging es dann weiter ins Camp. Dort begrüßten uns die Kängurus vor dem Speisesaal. Nach einem unglaublich leckeren Abendessen mit Lasagne und warmen Schokoladenkuchen mit Vanille-Eis, haben wir uns dann im Gemeinschaftsraum getroffen und eine Lehrstunde über Australiens Flora und Fauna erhalten. Koalas sind zwar süß und schlafen eigentlich den ganzen Tag, aber wenn sie mal aufwachen, dann hören sie sich an wie ein gefolterter Mann. Furchtbar! Ich hoffe ich höre nie einen in der Realität, das würde mein Bild der kleinen Kuscheltiere völlig zerstören.
Nachdem wir also wussten, was alles giftiges im Wald herum kriecht, und wir alle nochmal schnell unsere Socken hochgezogen haben (wegen der Schlangen), sind wir in den stockfinsteren Busch marschiert. Da knapp 30 Studenten definitiv nicht leise durch den Wald gehen können (einige haben es auch nicht mal versucht) blieb es leider bei Opossums, Handteller großen Spinnen, und riesigen Ameisen, die unseren Weg gekreuzt haben. Zur Krönung durften wir dann noch ein Stückchen Wald alleine hinter uns lassen, um mal zu erleben, wie sich das anhört, wenn nicht 60 Füße auf dem Weg trampeln. Natürlich bin ich alleine durch die Dunkelheit gewandert. (Eva hats vorgemacht, da konnte ich ja nicht mehr anders.)
Am nächsten Tag gings dann morgens früh in Richtung Hamilton, einer wohlhabenden Stadt, die während des Goldrauschs in der Gegend zu dem wurde was sie heute ist: Eine langweilige Kleinstadt. Wenn wir nicht eine Grundschul-Stadtrrally abarbeiten und eine Fuehrung durch das Museum haetten machen muessen, waeren wir wahrscheinlich nicht mal ausgestiegen. Wir haben aber gelernt, dass die Siedler damals gerne ihr England in Australien nachgebaut haetten. Sie haben mehrstoeckige Gebaeude gebaut (da Hitze nach oben steigt hier sehr sinnvoll), botanische Gaerten mit Eichen und Buchen angelegt (das Emu-Gehege wurde wohl spaeter hinzugefuegt) und exklusive Maenner und Frauen Clubs gegruendet. Naja. War irgendwie doch ganz nett.

Zurueck im Camp haben wir dann einen Berg erklommen, um uns die Gegend mal aus der Vogelperspektive anzusehen. Etwa 2 Klimeter ging es steil bergauf, und da sich mein Sport hier im Moment gegen Null tendiert, war ich ganz ordentlich aus der Puste. Aber es hat sich gelohnt. Herrlicher Ausblick. Hat mich ein bisschen an Afrika erinnert: Berge mit dichtem Wald und dahinter endloses, trockenes Grasland. Eva und Juliane waren mit und wir haben uns fuer den Rueckweg von der Gruppe getrennt, um die Gegend mit ein bisschen mehr Ruhe zu geniessen. Sonst haetten wir bestimmt auch nicht die Daumengrosse Echse auf dem Weg entdeckt.

Zum BBQ am Abend kam dann ein Chor aus der Region und ein paar Nachbarn, damit wir auch mal echte Australier sehen konnten. Alle mussten dann ihre Nationalhymne traellern, Gott sei Dank waren wir viele Deutsche und die WM ist noch nicht so lange her, wir haben also ordentlich drafu los geschmettert. Ich waere gestorben, wenn ich wie der Sued-Koreaner alleine singen muesste, oder wie die Schwede zu zweit. Manchmal ist es also gar nicht so schlecht, Deutscher in Australien zu sein, man ist nie allein.

Am naechsten Morgen hat uns dann ein Dozent darauf aufmerksam gemacht, dass im Wald eine Herde Kaengurus grast. Wir haben uns also direkt nach dem Fruehstueck auf den Weg gemacht und haben sie auch entdeckt: Mindesten 20/30 Tiere haben gegrast und uns angestarrt. Dann kamen leider ein paar sehr daemliche Jungs auf die glorreiche Idee, sie wuerden die Viehcher gerne mal in Aktion sehen und sind losgerannt. Die Herde ist weggehuepft (mein Gott machen die Saetze) und die Idylle war vorbei. Ganz toll gemacht. Es gibt echt richtige Idioten auf der Welt.

Auf dem Rueckweg haben wir dann eine Schaffarm besichtigt und einen Touri-Park in dem ein Dorf aus der Zeit des Goldrausches nachgebaut war. Die Kinder der Farmer waren leider noch zu klein, um als Ehepartner in Frage zu kommen (ich haette mich strafbar gemacht), nicht das meine Familie glaubt, ich haette nicht versucht uns eine Farm zu organisieren. Vielleicht beim naechstem Mal.

So, dass war das Wochenende in Kurzfassung. Natuerlich gaebe es noch viel mehr zu berichten, zum Beispiel von unmoeglichen Amerikanerinnen, die sich ordentlich betrunken haben und dann so eine Art Tat oder Wahrheit gespielt haben. Dabei taten sie dann lautstark kund, ob sie ihren Freunden schonmal waehrend der Autofahrt einen geblasen haben, oder nicht. Als ob das irgendwer wissen wollte. Und von unserer neuen Freundschaft mit drei Deutschen, die einfach nicht die Klappe halten konnten, egal wie unpassend die Gelegenheit war.

Heute beginnt fuer mich die Uni, da gibt es dann bestimmt auch einiges zu berichten.

Das erste Mal…

… war ich im richtigen Unterricht. Mit echten australischen Mitstudenten und nem Professor. Das erste Seminar meiner australischen Hochschulkarriere war Advanced TV Journalism, also Fernsehen für Fortgeschrittene. Ich muss hier zwei News-Beiträge zusammenstückeln und am Ende des Semesters werden wir zwei Wochen lang jeden Tag eine Nachrichtensendung bringen. Ich hab mich als News-Moderatorin oder Interviewerin angemeldet, vielleicht werde ich aber auch die Wetter-Fee, das weiß ich noch nicht. Auf Channel 31 wird das gesendet, falls jemand seinen Satelliten entsprechend programmieren will und mich mitten in der Nacht (eure Ortszeit) das Wetter in Melbourne ansagen hören möchte. (Im Moment angenehme 25 bis 30 Grad, mit vereinzelten Wolken und leichter Brise.)
Als mein Partner wurde David auserkoren (Asiate, aber schon lange in Melbourne). Er hat nicht gerade vor Begeisterung gesprüht, aber in unserem Workshop waren nur 5 Teilnehmer, davon hatten sich zwei schon beim Mittagessen verabredet und die eine wusste noch nicht, ob sie vielleicht noch wechselt. Es blieb also nur meine Wenigkeit. Ich werde ihn aber bestimmt bald von meinem Können überzeugen. Bis nächste Woche Montag muss ich mein Thema vorgeschlagen haben. Ich denke ich werd irgendwas über Wohnungssuche oder Backpacker in Melbourne machen, aber mir fehlt noch ne konkrete Idee, was dabei die Nachricht sein soll. Das ich angekommen bin ist vermutlich kein Fernsehbeitrag wert, obwohl ich persönlich das sehr interessant und spannend finde. Und ihr natürlich auch, will ich mal hoffen.
Ach ja, am letzten Donnerstag haben wir im botanischen Garten ein Open Air Kino genossen. Mit Decken und Fressalien bepackt haben wir uns Happy Feet angesehen, sehr zu empfehlen. Laue Sommernacht, Sandwiches, Kekse und Süßkram, was zu trinken und um mich herum…nur Pärchen. Ich habe Mitleid mit all den Singles, die das ständig ertragen müssen. Ich fands schrecklich, es herrschte nämlich eine unübersehbare Kuschelatmosphäre und ich hätte mich natürlich auch lieber von Benny wärmen lassen, als von Claudias Schlafsack.

Noch mehr lernen…

Inzwischen hab ich auch meine anderen Kurse kennen gelernt. Der Foto-Kurs hört sich extrem lustig und sinnvoll an, ihr seht hier also die letzten meiner Amateuraufnahmen des City Campus. Die Statue zeigt übrigens Francis Ormond, der 1881 das Working Mens College (heute Royal Melbourne Institute of Technology) gegründet hat. Im Hintergrung sieht man das erste Gebäude. Das untere Bild zeigt die Bowen Street, die Campus-Straße. Da werd ich bestimmt nochmal ein besseres Bild machen.
Außerdem hab ich meinen Bio-Kurs besucht. Hörte sich alles viel schlimmer an, als es eigentlich ist. Der Prof scheint ganz in Ordnung und in dem Kurs sitzen viele, die in der Schule weniger Bio hatten als ich. Im Labor haben wir uns dann das Microskop vertraut gemacht, auch das war kein Problem. Ich Denke also, ich werde tatsächlich ein halbes Jahr Bio studieren.
Der Kurs den ich dafür aufgeben muss, ist ein Kursus über Dokumentarfilme. Schön zwei Stunden Kino (im richtigen Kinosaal!) gucken und dann analysieren. Der Professor fing heute vor der Klasse an zu weinen, als er eine rührende Szene im Film analysierte. Ich würde sagen, er mag sein Fach wirklich. Und er ist schwul. Glaub ich. Oder eine Weichei. Was vermutlich schlimmer wäre. Trotzdem werd ich das wohl abwählen, dadurch hätte ich nämlich den Freitag frei und jeden zweiten Donnerstag auch noch. Und Bio wollte ich ja immer schonmal machen und wenn nicht jetzt, wann dann? Und ich muss ja was abwählen. Vielleicht kann ich mich ja ins Kino schmuggeln, wenn ich mal nichts besseres vor hab.

Wochenende

Mein Wochenende war recht unspektakulär und fing ziemlich beschissen an: Ich bin morgens extra früh aufgestanden und in die Uni gefahren, um herauszufinden, warum Juliane in der Bibliothek mit Skype telefonieren kann und ich nicht. Ergebnis: Das Glück ist einfach nicht auf meiner Seite. Skype ist nämlich eigentlich von der Uni gesperrt, wie alle anderen Chat-Programme auch. Warum das bei Juliane funktioniert, konnte der Service-Mitarbeiter mir nicht sagen, und selbst wenn er es gewusst hätte, dürfte er es mir nicht verraten, teilte er mir mit einem dicken Grinsen mit. Na vielen Dank auch.
Daraufhin bin ich erstmal mit Juliane und Eva zum Strand gefahren und hab mir eine Portion Sommersprossen geholt. Der Strand ist nicht so schön wie in Perth, aber das Wasser ist angenehm und der Sand ist halt Sand. Mit ganz vielen kleinen Muscheln drin. Die leichte Brise vom Meer erhöht die Sonnenbrandgefahr, weil man nicht merkt wie man verbrennt, aber wir waren ja erst am Nachmittag da, die Sonne war nicht mehr ganz so intensiv.
Dann bin ich nach Hause gehetzt, hat natürlich viel länger gedauert, als geplant, hab schnell einen Salat zum mitnehmen gemacht und mich umgezogen und hab mich auf den Weg zu Ilka begeben. Dort hatten wir ein kleines Zimmer-Einweihungs-Geburtstags Barbeque (hier auch liebevoll barbie genannt). Ich hab mich dann mit Eddie angefreundet, der Kampfhund-Mischling von Ilkas Mitbewohner. Ein abgrundtief liebes Vieh. Ich will auch nen Hund!
Nachdem ich meine Flasche Rotwein (natürlich Australischer Shiraz – was sonst?) hinter mir hatte und meine Stimmung aufklarte, haben wir festgestellt, dass ich gerade meine letzte Bahn verpasst hab. Ilka hatte dann also auch gleich ihren ersten Übernachtungsgast. Völlig verkatert bin ich dann am nächsten Morgen nach Hause geschlurft. Das letzte Glas Weißwein von Ilkas Mitbewohner war nicht gut, glaub ich. Das heißt, es war gar kein Glas, sondern ein Kaffee-Becher, denn Gläser sind in dem Haushalt Mangelware. Aber das kenn ich ja von zu Hause. Zum Glück war ich zu betrunken, um die Moskitos schon am Abend zu merken, denn dann wäre ich vermulich wahnsinnig geworden. Meine Waden sind inzwischen eine Kraterlandschaft aus Mückenstichen, die im Durchschnitt eine Größe von Zwei-Euro-Münzen ereichen. Und jucken wie die Pest.
Nachdem ich den Restalkohol abgebaut hatte, bin ich in die Stadt gefahren, um mir neue FlipFlops zu kaufen, hab aber nichts gefunden. Vielleicht war ich auch einfach zu aufgeregt zum Shoppen, denn heute Abend sollte es passieren: Ich wollte telefonieren. Hab mir eine Telefonkarte gekauft, mir einen Stuhl aus der Cafeteria geschnappt und mich in der Uni vor einem öffentlichen Telefon niedergelassen. Abends um sechs ist da am Wochenende natürlich nicht viel los, deshalb war ich auch recht ungestört. Hab kurz mit meinen Eltern gequatscht und mich dann fast zwei Stunden mit Benny unterhalten. Herrlich! Aber schwere Heimweh-Gefahr, da merkt man erst wie lange man schon weg ist. Und wie lange noch vor einem liegt. Aber auf jeden Fall werd ich jetzt öfter anrufen. Für umgerechnet 6 Euro kann ich ungefähr 1500 Minuten telefonieren, das sollte erstmal für ein paar Gespräche reichen.
Besonders schön war natürlich Bennys frohe Botschaft, das mein BaföG eingetroffen ist! Noch nicht alles, und weniger als geplant, aber genug. Jetzt müsste ich nur noch an mein Geld herankommen…
Am Mittwoch war ich übrigens Bowlen, und auch wenn die Punktzahl nicht gerade berauschend ist, konnte ich mich durchaus mit dem Rest der Gruppe messen.

Das Leben kann so entspannt sein…

Am Dienstag waren wir im Kino und haben „The good shepherd“ – zu Deutsch: Der gute Hirte – geguckt, ein Film über die Entstehung der CIA. Nachmittags um halb sechs ging die Vorstellung los, eine sehr angenehme Zeit, weil zwischen Vorlesung und Kino gerade so viel Platz ist, um sich im Supermarkt mir Süßigkeiten und anderen Leckereien einzudecken und danach (um kurz nach acht war der Film zu Ende) kann man noch gemütlich was trinken und ist zu einer angemessenen Zeit wieder zu Hause. Der Film war übrigens gut, kann ich weiterempfehlen. Anschließend waren Ilka und ich noch in der „lounge“ einen Block weiter und haben uns noch einen viel zu teuren aber sehr leckeren Kakao-Cocktail gegönnt. Schmeckte sahnig, war aber gar keine Sahne oder Milch drin – mmmmh. Erinnerte mich so ein bisschen an den Kaffee-Liqueur von Magdalene. In der oberen Etage gäbe es wohl auch eine Tanzfläche, sagt mein Reiseführer. Werden wir bestimmt demnächst auskundschaften. Der Laden war nämlich auch schon ohne Tanzmöglichkeit sehr gemütlich. Und es fühlte sich das erste Mal völlig normal und selbstverständlich an, dass wir ins Kino gehen, und danach mit ner Freundin noch was trinken. Gar nicht wie in einer fremden Stadt. Vermutlich bin ich endlich angekommen.
Vor dem Kino haben wir dann ein bisschen in die Melbourner Fashion-week geschnuppert: Im Melbourne Central, ein Shopping und Fress-Komplex in dem oben auch das Kino ist, seilten sich die Esprit-Models gerade in der kommenden Herbst-Winter Kollektion (der Sommer neigt sich dem Ende, obwohl es immer noch richtige Hochsommertage gibt) vom Shot Tower ab, als wir zum Supermarkt wollten. In dem Turm wurden im 19. Jahrhundert Bleikugeln produziert, heute ist er umgeben von einer riesigen Glaskuppel, die aus den Häusern drumherum ragt. Und Models seilen sich davon ab. Wir würden uns gerne noch eine richtige Laufsteg-Show angucken, aber im Moment haben wir noch nichts zu einem annehmbaren Eintrittspreis gefunden.
Damit meine Zähne endlich mal wieder was zu tun kriegen, hab ich am Mittwoch erstmal Aldi unsicher gemacht und mich mit Schwarzbrot eingedeckt. Denn egal was man hier sonst für Brot kauf – ob Vollkorn oder nicht – ist immer weich wie Toast. Das kann man alles ungekaut herunterschlucken. Nicht mal die Brötchen sind richtig knusprig, sondern in der Regel alle mehr wie Milchbrötchen. Leider gab es hier bei Aldi keine Aufbackbrötchen, da hätte ich Appetit drauf. Und ich hab das Gefühl, das „original German Bread“ von Aldi ist auch weicher als das original deutsche Brot.
Am Donnerstag gings dann in die National Gallery of Victoria, australische Bilder angucken. Für die normale Sammlung muss man keinen Eintritt zahlen, nur Sonderaustellungen kosten etwas – vielleicht würden so auch mehr Leute in Deutschland in die Museen gehen. Ich werd mich mal erkundigen, wie die das hier finanzieren. Bezahlt das alles der Staat? Naja. Ich muss allerdings gestehen, so viel Kultur war nicht völlig freiwillig: In unserem Australian Society Kurs haben wir jeden zweiten Donnerstag frei und es war für die freie Woche Hausaufgabe, ein paar bestimmte Bilder aus der Sammlung zu betrachten. War nichts für das neue Wohnzimmer dabei. Außerdem müsste ich noch einen Aufsatz endlich mal fertig schreiben. Statt dessen drück ich mich drumrum und schreib lieber Blog-Einträge, das ist einfach so viel entspannter…

Herrlich!

Ich hatte ein absolut spitzenmaessiges langes Bilderbuchwochenende: Am Freitag Abend, als wir gerade bei Juliane versammelt waren und lecker Pizza machten, hat Ilka einen Anruf von einem Bekannten erhalten, der uns in die Strandhütte der Eltern eines Freundes einlud. Nach langem hin und her überlegen, ob wir unsere Ursprüngliche Wochenendplanung einfach so über Bord werfen sollen, haben Juliane und ich dem Vorhaben letztendlich zugestimmt.
Am Samstag Vormittag ging es dann also mit einem anderen Kumpel nach Portsea. Das liegt an der Spitze von einer Halbinsel, die die Bucht vor Melbourne vom Meer abtrennt. Die Strandhütte entpuppte sich als eine weiße Villa mit Kamin, Billardtisch, Kicker, Tischtennisplatte und Tennisplatz im Garten. Dave, der „Besitzer“ (von Beruf Sohn) war echte ne Nummer: Alles was er sagte unterstrich er mit wild fuchtelnden Armen und einem „Bang-Bang“ am Ende des Satzes. Insgesamt aber sehr nett.

Als erstes ging es zum Strand am Meer. Keine fünf Minuten Autofahrt und wir standen an einem weißen Strand.

Ein paar Kilometer weiter an diesem Strand ist übrigens einer der ehemaligen Premierminister auf nimmer Wiedersehen im Wasser verschwunden. Schuld daran ist die gemeine Strömung in der Gegend. Auch bei uns durfte man nur in extra gekennzeichneten Bereichen ins Wasser. Mir persönlich kamen die Wellen aber viel extremer vor, als die lächerliche Strömung: Die Wellen in Perth waren echt nichts dagegen. Reinspringen ging nicht, weil die Kraft einem sofort die Füße weggerissen hat. Wenn das Wasser zurückfloss, konnte man sich manchmal kaum auf den Beinen halten. Die einzige Methode: Nase zuhalten, Augen zu und durch. Auf dem Bild ganz unten macht Juliane gerade vor wie’s geht. Das war übrigens keine der besonders großen Wellen. Ich hab trotzdem einige Male Bekanntschaft mit dem Meeresboden geschlossen. Ich hatte Sand in jeder erdenklichen Ecke meines Körpers. Bäh.
Natürlich waren auch reichlich echte Surfer an dem Strand unterwegs, da konnten wir uns schonmal angucken wie’s geht. Nächsten Samstag soll es nämlich endlich soweit sein: Wir haben einen Surfkurs gebucht. Nachdem ich nun schon Bekanntschaft mit den Wellen geschlossen hab, hab ich noch mehr Schiss als vorher.
Am Abend hat Dave für alle Bolognese gemacht (italienische Wurzeln) und nach einer Runde Billard zum Vorglühen ging es mit etwa zehn Mann in den Pub. Anschließend haben Dave und ein Kumpel eine kleine Jazz-Jam-Session im Musikzimmer veranstaltet: Saxophon und Klavier. Ich hab sowas noch nie erlebt, das war alles das absolute Klischee von reichen Kindern die in ihrer Freizeit am Strand beim Wochenendhaus liegen und sich dann gemeinsam ins Lacoste-Outfit werfen um ne Runde Tennis zu spielen und am Ende Jazz improvisieren. Unglaublich.
Zum Frühstück (um eins) am nächsten Tag gab’s Pfannkuchen mit Eis, Ahornsirup, Zucker und Zitrone (sehr zu empfehlen), Nutella, Pfirsichen, einfach alles was das Herz begehrt. Mmmmmmh!
Anschließend haben wir uns dann auf den Weg zur anderen Seite der Halbinsel gemacht, an den Strand zur Bucht. Völlig alleine haben wir den weißen Sand genossen und die spiegelglatte Wasseroberfläche war das totale Gegenteil zum Meer am Tag davor. Nach zweihundert Metern stand man immer noch gerade bis zum Bauch im Wasser. Wäre der Wind nicht gewesen, hätten wir sicher den ganzen Tag da verbracht, aber nach einer Stunde waren wir sandgestrahlt und sind zurück zum Haus gegangen (fünf Minuten zu Fuß).
Juliane und ich haben uns dann am Abend in den Bus und Zug gesetzt, um zurück nach Melbourne zu fahren (als Ilka die Vorbereitungen zum Barbecue gesehen hat, wollte sie unbedingt noch eine Nacht länger bleiben). Hier ist nämlich im Moment Waterfest und es steppt der Bär.
Montag Vormittag (es war Tag der Arbeit, also frei) war ein großer Umzug in der Stadt, mit dem angeblich längsten Chinesischen Drachen der Welt (links). Mittags hab ich mich dann mit Kilan getroffen (hat ne Gärtnerei und ich hab ihn beim Bowlen kennengelernt – ist ja fast wie ne Schaf-Farm) und nachdem wir uns was zu Essen organisiert haben, gings an den Yarra-River zum Wake-Board Wettkampf. Das wie Wasserski auf nem und es wird gesprungen und Saltos gedreht und völlig abgefahrene andere Figuren präsentiert.
Abends waren dann auf dem ganzen Fluss kleine Inseln aufgebaut, auf denen ein absolut super Feuerwerk abgefeuert wurde. Ich kann’s gar nicht beschreiben, es war grandios. Ich werd mal gucken, ob ich das Video nicht in YouTube hochladen kann.
Ich konnte natürlich wieder nur die Hälfte von dem aufschreiben, was alles passiert ist und ich alles gesehen hab, aber so ist das nunmal. Ich hoffe mein Gedächtnis funktioniert so gut, dass mir das alles noch einfällt, wenn ich wieder zu Hause vor den Fotos sitze. Es sind übrigens schon knapp 1000. Ihr könnt euch also auf einen laaaaaangen Dia-Vortrag gefasst machen…

Noch so ein herrliches Wochenende!

Obwohl ich am Samstag um sechs Uhr morgens mein warmes Bett verlassen musste, war das schon wieder ein absolut tolles, abenteuerreiches Wochenende. Um viertel vor acht waren wir an der Uni, um endlich surfen zu lernen – wozu fährt man sonst nach Australien? Leider war der Bus nicht da. Der hatte einen Unfall mit nem Taxi wir haben eine Dreiviertelstunde gewartet. Eine Dreiviertelstunde, die ich sehr gerne länger im Bett verbracht hätte. Aber dann ging es endlich in Richtung Torquay und Strand los. Drei Klischee- Surfer begrüßten uns dann bei schönstem Sonnenschein (in Melbourne hat’s geregnet). Zwei Jungs mit sonnengebleichtem und Salzwasser-ausgetrockneten Strubbelhaaren und ein Mädel, die uns in die Geheimnisse des Wellenreitens einweihen sollten. Zunächst mussten wir uns aber in die Wet-Suits quetschen. Männer sehen darin übrigens noch bescheuerter aus als Frauen.


Ein echt deutsches Wuerstchen wuerde ich sagen!

Nachdem wir uns also in unsere Pellen gezwängt hatten, haben wir uns ein Brett unter den Arm geklemmt (bei Mädels in meiner Größe leider nicht ganz so lässig, weil die Arme kürzer sind, als das Brett breit) und sind in Richtung Strand marschiert.
Leider konnten wir keine Fotoapparate mitnehmen ihr müsst jetzt also einfach glauben, was ich schreibe. Nachdem der Trainer uns das Zeichen für Haie erklärt hat (zwei maulartig zuschnappende Arme) und uns gezeigt hat, wo die gefährlichen Felsen und Strömungen sind, hat er uns ins Wasser geschickt. Ach ja, wir durften auch zweimal auf dem Bauch so tun, als würden wir paddeln und uns dann mit einem Satz auf die Knie hiefen. Das war unsere Vorbereitung. Ich muss sagen, ich hab mich total sicher gefühlt. Todesmutig sind wir dann also den Wellen entgegen marschiert und haben erstmal Bekanntschaft mit dem Geschmack von Salzwasser gemacht.

Dann haben wir uns auf unsere Bretter geworfen, und versucht eine Welle zu erwischen. Ich glaube, ich bin kein Naturtalent. Aber auch mir ist es gelungen, die eine oder andere Welle zu reiten und ich sage euch, es ist ein absolut geniales Gefühl! Zwar sind bestimmt hundert Wellen einfach unter mir hindurch geschwappt, ohne mich weiter als zehn Meter mitzunehmen, aber wenn die Welle richtig gut ist, ist es ein unglaublich cooles und unbeschreibliches Gefühl davon mitgerissen zu werden. Auch wenn man es nur bis auf die Knie schafft (so wie ich).
Der Nachteil: Wenn man an den Strand gespült wurde, muss man wieder ins Wasser laufen. Gegen die Wellen, gegen den Wind, mit einem total unhandlichen Brett und mit zig Surfanfängern drumherum, die nur darauf warten dir ins Gesicht zu fahren. Mal davon abgesehen, dass ich noch nie so viele Liegestütze wie an diesem Vormittag gemacht hab (ständig muss man sich aufs Brett ziehen und auf die Knie stemmen), war durchs hüfthohe Wasser waten das Anstrengendste. Vom Paddeln mal abgesehen. Jedenfalls war ich absolut fertig und mein Muskelkater ist unbeschreiblich.
Nachmittags ging’s dann nur noch in ein paar Surfshops und dann nach Hause. Obwohl in der Stadt der Bär gesteppt hat – war schließlich St. Patricks Day und alle Melbourner mit irischen oder auch nicht-irischen Vorfahren haben die Irish-Pubs gestürmt – bin ich nur noch unter die Dusche gekrochen und aufs Sofa (Findet Nemo war der passende Film für diesen Abend, wie ich finde) und ab ins Bett.
Sonntag war dann schon wieder früh aufstehen angesagt (um acht) damit wir den Start der Frauen beim Open Water Rennen nicht verpassen. Im Moment sind hier die Schwimmweltmeisterschaften und wir wollten uns das Wettschwimmen im offenen Meer angucken. Weil aber außerdem Formel 1 war, ist das absolute Verkehrschaos ausgebrochen und wir haben den Start, das Interessanteste, verpasst. Die deutsche Schwimmerin (Name hab ich vergessen) ist uebrigens Vierte geworden, mit einem Zehntel Rueckstand auf die Drittplatzierte, eine Australierin. Da hat doch auch einer die Stoppuhr nicht richtig gedrueckt, wuerde ich sagen… Wir haben dann einen kleinen Strandspaziergang eingelegt und uns spaeter den Start der Männer angesehen.

Der Stadt-Strand von Melbourne

Fuenf Kilometer durchs offene Meer – na denn mal Los!

Weiter gings dann zum Formel 1 Gelände, das konnten wir uns ja nicht entgehen lassen. Wir wollten eigentlich nur den Motoren lauschen. Als ich dann so vor dem Eingang stand überkam’s mich und ich dachte: Scheiß auf das Geld, du bist nur einmal jung, hab mir ein Ticket gekauft und bin mit Eva rein.

Ich hatte ja erwartet, dass es laut wird. Aber nicht so laut! Die ersten Verkäufer mit ihrem Survival-Packs haben wir ja noch belächelt: Was sollen wir denn mit Ohrenstöpseln, schließlich sind wir ja gekommen um den Laerm mitzubekommen. Aber nachdem die Vorstellungsrunde durch war, bin ich erstmal welche kaufen gegangen… Der Düsenjet, der über uns seine Runden gedreht hat, war nichts gegen die Lautstärke der Wagen! Nicht nur unsere Trommelfelle haben vibriert, die Erde hat gebebt, wenn die Rennwagen aus der Kurve kamen und beschleunigten – unglaublich!

Da kommt Kimi!

Nach dem Rennen sind dann alle auf die Strecke gerannt und haben den heiligen Boden betreten, auf dem Kimi sein erstes Rennen im Ferrari gewonnen hat. Wir natürlich auch… Und natuerlich sind wir auf der Pole-Position gestartet! Und auch wenn der echte Schumi nicht mehr faehrt, zumindest die Box von Ralf konnten wir begutachten. Ist ja auch irgendwie ein Schumi.
Das war also mein Wochenende. Wenn es mal etwas ruhiger wird, komm ich vielleicht auch mal dazu, was über das Studium zu schreiben. Nebenbei studier ich hier nämlich übrigens. Aber das nächste Wochenende ist auch schon wieder völlig verplant…

Randnotiz

Heute ist Fruehlings-/ Herbstanfang. Wem das jetzt nicht auf Anhieb interessant erscheint, dem sei gesagt, dass die Sonne jetzt direkt auf dem Aequator steht und deshalb eure Tage im Norden genauso lang sind wie meine. Auch wenn ich die Sonne vielleicht besser sehen kann.
Vorgestern hatte ich dann auch das erste Mal meine Jacke an. Es hat geregnet und schliesslich beginnt der Herbst. Und ich hab sie natuerlich auch gleich verschlampt. Hab sie in der Buecherei liegen gelassen und jetzt freut sich jemand ueber meine schoene rote Jacke, die ich erst eine Saison getragen hab, und die es hier nicht zu kaufen gibt, weil es keinen H&M in Melbourne gibt. Abgegeben wurde sie nicht, und sie liegt auch nirgends. Auch keine Putzfrau hat sie gefunden. Toll. Das war die einzige Jacke die ich mitgenommen hab. Ich koennte mich da ja reinsteigern, aber das bringt ja doch nichts. Ich bin aber auch so bloed. DAS IST SO AERGERLICH! MANN!

Schon wieder Wochenende!

Freitag hab ich eine neue Laufstrecke entdeckt. Ich weiß aber noch nicht, ob ich sie beibehalten kann, denn mal davon abgesehen, dass ich im Moment nicht mehr fit genug bin um so viel bergauf und bergab zu rennen (zwischendurch musste ich gehen, weil es einfach zu steil wurde) mach ich mir ein bisschen um meine Sicherheit sorgen. Die Strecke ist malerisch: Entlang des Yarra Bond, eines Seitenarms des Yarra River auf verschlungenen Pfaden. Auf der gegenüberliegenden Seite ein gepflegter Park /Golfplatz. Aber dieser malerische, verschlungene Pfad ist genau das Problem: Der ist höchstens einen halben Meter breit und sehr uneben. Auf der einen Seite Felswand, auf der anderen der Fluss. An manchen Stellen auch ein wenig weggebrochen, so dass man anhalten und vorsichtig weitergehen muss. Am Anfang stand ein kleines Schild „Achtung Schlangen“, dass dann auch gleich von einem Spaziergänger bestätigt wurde. Netterweise machte er mich darauf aufmerksam, dass er gerade eine Schlange gesehen hat, und ich möge auf den Weg achten. Ich hätte es lieber nicht gewusst. Aber wir haben auf unserem Bushwalk ja gelernt, wenn man ordentlich trampelt, dann verschwinden die schon von alleine. Dementsprechend hab ich nicht mehr versucht leichtfüßig zu Joggen sondern mehr zu trampeln. Es gibt auch eine sichere Variante 10 Meter höher an der Straße entlang mit Panorama Blick, aber das ist eben direkt an der Straße. Vermutlich werde ich darauf zurückgreifen, wenn das Wetter nasser wird.
Apropos nass: Es hat geregnet. Das ist echt ne Neuigkeit, weil Australien gerade eine Jahrhundert Dürre durchmacht. Mein Mitbewohner meinte neulich, es ist nur noch eine Frage der Zeit, dann dürfen wir nicht mehr das Klo spülen. Na lecker. Der Regen verdunstet aber sobald er den Boden berührt, denn wir hatten heute einen kuscheligen ersten Herbstfreitag bei 37 Grad.
Abends habe wir dann die erste Kneipentour durch Fitzroy gestartet. Die erste Bar war die Bar mit ohne Namen (Bar with no name ;-)). Fünfzigerjahre Biedermeier-Sessel, Kronleuchter, Spiegel und Flokati an manchen Decken machten den Laden definitiv außergewöhnlich und sehr gemütlich.
Die letzte Bar war aber mein Favorit, weil man da Tanzen konnte, und wir seit Perth nicht mehr gezappelt haben. Das war mal wieder dringend nötig.
Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Bus auf die Great Ocean Road. Nachdem wir den Temperaturschock überstanden hatten (17 Grad kälter als am Tag davor) stiegen wir in unsere Luxus-Kutsche: Ein 20 Personen Bus Baujahr Ende 70er Anfang 80er (nach der Polsterung zu urteilen) sollte uns durch die Serpentinen schaukeln. Wir (Juliane, Ilka, Eva, ihr Kumpel Jan zu Besuch aus Deutschland und meine Wenigkeit) waren umringt von 15 Asiaten, die ununterbrochen Essen in sich hineingeschaufelt haben. Auch wir kamen nicht drumrum uns mit Sonnenblumenkernen und Kürbiskernen versorgen zu lassen – ob wir nun wollten oder nicht, ein NEIN wurde nicht akzeptiert.
Besonders herrlich war unser Busfahrer, der gerne mit komischen Jubelschreien auf seine Begeisterung aufmerksam machte, und zwischendurch beschlossen hat, dass wir jetzt alle eine große Familie sind und er ist der große Bruder.
Das erste Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Immer den abgefressenen Bäumen hinterher, haben wir echte, wilde Koalas am Straßenrand entdeckt. So süß!

Aber viel kleiner, als die Koalas im Zoo. Zwar konnten auch engagierte Klopf-und-Rüttel-Attacken unseres Fahrers die schlafenden Kuscheltiere nicht aufwecken, aber das war nur um so lustiger mit anzusehen. Nebenbei hab ich noch gelernt, dass Koala in der Sprache der Eingeborenen soviel wie „nicht trinkend“ bedeutet, weil sie Koalas nie trinken sahen. Das stimmt auch, Koalas bekommen ihre Flüssigkeit aus den Eukalyptusblättern.
Dann haben wir einen kleinen Abstecher weg von der Küstenstraße ins Inland gemacht und uns durch einen kalten Regenwald geschlagen. Ich hab gar nicht gewusst, dass es auch nicht-subtropische Regenwälder gibt, aber so ist das. Und kalt war wirklich kalt: Mal von dem extremen Temperaturunterschied zum Tag davor abgesehen, war es im Wald nochmal ein paar grad kühler. Unter 20 Grad sind wir einfach nicht mehr gewöhnt. Mit den zweitgrößten Bäumen der Welt (nach den Mammutbäumen) die bis zu 80 Meter hoch werden und riesigen Farnen im undurchdringlichen Dickicht war das aber trotzdem wie man sich einen Regenwald vorstellt.

Das oben ist doch mal ein netter Zimmer-Farn, oder?

Aber das eigentliche Ziel waren natürlich die einmaligen Felsformationen an der Küste, deshalb ging es wieder zurück ans Meer. Und damit das ganze auch wirklich ausßergewöhnlich wird, hab ich mal wieder aufs Geld gesch…en und bin im Helikopter über die 12 Apostel geflogen. Ich war so aufgeregt! Schließlich war es mein erster Heli-Flug. Es war natürlich viel zu kurz aber unglaublich schön. Wie das nunmal so ist sind die Fotos nicht halb so toll wie der tatsächliche Ausblick war. Unglaublich diese zerklüftete Küste.

Die Insel ganz links wird uebrigens Seepferdchen genannt, ein sehr passender Name, wie ich finde.

Und dahinter nur die Straße und sonst nichts. Soweit das Auge reicht keine Touristenhochburgen, Erholungszentren und der gleichen. Das gäbe es in Deutschland definitiv nicht. An einem Naturschauspiel wie diesem hätte es schon längst ein Kurzentrum gegeben.
Der Sonnenuntergang bei den Aposteln (man kann nie alle auf einmal sehen) war dann das Highlight. Die Wolken sorgten für einen spektakulären Untergang, leider haben sie dadurch aber verhindert, dass die Felsen anfingen rot zu leuchten. War aber trotzdem super.
Am nächsten morgen war dann mal wieder Sport angesagt. Nicht für mich, sondern Schwimmweltmeisterschaften. Turmspringen stand auf unserem Programm. Erst drei Meterbrett der Frauen und dann 10 Meter Männer. War nur das Halbfinale (kostet einfach viel weniger), aber trotzdem sehr beeindruckend. Die Deutschen haben zwar nicht sonderlich gut abgeschnitten, aber die meiste Zeit haben wir sowieso nur die körperlichen Vorzüge der Männer beurteilt und weniger ihr Können.
Anschließend ging es zum Food und Wine Festival in die Stadt. Ganz viele Buden mit Kaffee-Spezialitäten waren aufgebaut. Und seeeehr leckeres Eis. Ich habe preisgekröntes Pistazieneis probiert: Äußerst lecker. Mit unseren Eis-Waffeln saßen Claudia und ich dann in der Spätsommersonne und haben der afrikanisch/brasilianischen Musikgruppe auf der Bühne gelauscht. Ein sehr entspannter Nachmittag. War nach dem Wochenende aber auch nötig.
Zum Glück kann ich montags ausschlafen, weil Vorlesungen erst mittags anfangen. Ausschlafen, Joggen (war diesmal an der Straße, war nur halb so schön) und diesen Monstertext schreiben war dann auch alles, was ich an diesem Vormittag geschafft hab. Nicht besonders produktiv, aber ein bisschen Entspannung war dringend nötig.

Australian Society

Donnerstag war mal wieder australische Kultur angesagt: Wir haben den Shrine of Remembrence – den Schrein der Erinnerung – besucht. 1935 wurde diese Gedenkstätte zu Ehren der Opfer im ersten Weltkrieg errichtet. Das Vorbild für das Gebäude war des Grab des Mausol, oder Mauso, oder so ähnlich, heute als eines der antiken Weltwunder unter Mausoleum bekannt. Das British Empire hat damals die Australier an die Front in die Türkei geschickt, obwohl Australien damals schon unabhängig war. Über 30 000 Soldaten sind an der Küste von den Türken erschossen worden, weil die Strömung sie an die falsche Stelle gespült hat. Für ein Land wie Australien sind 30 000 Männer verdammt viel. Praktisch jede Familie hatte ein Mitglied verloren.
Aus dieser Geschichte ist so eine Art Helden-Mythos entstanden, über mutige Bush-Männer, die ihr Leben geben für ihren Kumpel – „mate“- und loyal zur Krone standen. In diesem Shrine wandert also ein Sonnenstrahl am 11.11. um 11 Uhr, als die Soldaten in der Türkei landeten, (Karneval ich weiß, aber das sollte man denen hier lieber nicht auf die Nase binden…) über das Wort „Love“ in einer Gedenktafel. Für die zahlreichen Touristen und natürlich gedenkenden Australier wird das ganze künstlich im Stundentakt wiederholt.
Am 25.April, dem End-Tag des 1. Weltkrieges, ist auch Feiertag, nämlich ANZAC- Day. Das steht für Australian-New Zealand Army Chorps. Das ganze wird hier seeehr ernst genommen und die Soldaten werden geradezu vergöttert. Ein bisschen ungewohnt für deutsche Besucher, weil wir aus gegebenen Gründen wohl das Ende des Krieges feiern, aber doch eher selten die Soldaten, die loyal zum Vaterland standen… Der Ausblick auf Melbourne war allerdings äußerst schön.
Freitag war dann ein weiterer Australien-Kultur-Besuch angesagt: Footy. Australian Rules Football. Hat mit American Football so gar nichts zu tun, hat eher Ähnlichkeit mit Rugby. Im Wesentlichen wird ein eierförmiger Ball von 18 Spielern pro Mannschaft über das eierförmige Spielfeld geworfen oder geschossen, bis er in den Lücken zwischen vier Stangen landet – dem Tor. Dabei dürfen sich die Spieler auch um den Ball prügeln, „Körpereinsatz“ ist erlaubt und erwünscht. Ein Spiel dauert 80 Minuten, aber die Nachspielzeit ist locker immer 10 Minuten pro Viertel, also haben wir plus Pausen gute 2 ½ Stunden auf den Rängen gefroren. Es wehte nämlich ein eisiger Wind, und ich hab ja keine Jacke mehr. Grrrrrrrrr.
Von den angeblich völlig Footy-verrückten Australiern hab ich nicht sonderlich viel mitbekommen. Jedenfalls waren die Fans im Gegensatz zu deutschen Fußballfans absolut harmlos. Keine wilden Schlachtgesänge, keine grölenden Männer-Truppen in den Bahnen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass es den Männer hier tatsächlich um den Sport geht, und nicht ums saufen, pöbeln und sich mit den gegnerischen Fans anlegen….merkwürdig.
Am Samstag hab ich dann mit meinem Partner David den Großteil unseres ersten TV Beitrages gedreht. Wie ihr seht: Ich muss auch mal was für die Uni tun. Die Interviews hatten wir schon fertig, die mir gezeigt haben, wie klein doch die Welt ist. Nachdem wir gedreht hatten, war der übliche Smalltalk angesagt. David erzählte dann – Journalistik Studenten und ich Austausch-Student aus Deutschland. Der Professor hat einen Bruder in Deutschland. In Bremen. Da haben wir uns ja schon gefreut und natürlich über Werder gequatscht. Dann musste er einräumen, dass der Bruder gar nicht in Bremen wohnt, sondern in Verden. Ich dachte der will mich verarschen, aber er wusste ja nicht wo ich her komme! Das habe ich dann Mama erzählt, die dann feststellte, dass Steven Wood, der Bruder, Kunde bei ihrer Versicherung ist. Die Welt ist ja sooooo klein! Nicht nur das ich auch in Melbourne einen Förby-Stuhl kaufen kann, ich kann auch in einer 4 Millionen Stadt den vermutlich einzigen Verdener finden.
Apropos finden: Katrin aus unserem Semester haben wir auch gefunden. Wir waren auf dem Rückweg vom Shrine, da lief sie uns über den Weg. Sie studiert eigentlich in Deakin, außerhalb von Melbourne, aber sie wohnt in Melbourne und hat da für einen Kurs Fotos geschossen. Jaja, wirklich klein.
Sonntag war dann Jacke suchen und ein bisschen Uni-Kram erledigen angesagt. Nicht sonderlich spektakulär also. Aber dauert ja nicht mehr lange, dann geht’s nach Tasmanien, wo die Einwohner angeblich ihre Geschwister heiraten. Die Tazzies werden hier in etwa so gesehen wie die Ostfriesen. Und es gibt auch mindestens genauso viele TOTAL lustige Witze…